Einleitung im Fragebogen

geschrieben von  Alexander Raulfs
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    Eine Einleitung im Fragebogen sollte das Interesse des Befragten wecken, an der Umfrage teilzunehmen. Bei einer schriftlichen Befragung steht in der Regel vor den ersten Fragen sowohl ein Titel der Umfrage als auch eine textliche Einleitung, die dem Befragten grundsätzliche Informationen bietet, was ihn während der Umfrage erwartet. Es sollte hierbei auch das Vertrauen der Personen gewonnen werden, dass das die Umfrage durchführende Unternehmen seriös handelt, also durch die Umfrageteilnahme keine Verpflichtungen entstehen, und auch die Angaben nicht für Werbezwecke oder andere Marketingmaßnahmen genutzt werden, indem Informationen zu den angewandten Datenschutzrichtlinien aufgeführt werden, d.h. zur gewährten Anonymität der teilnehmenden Person und dessen Antwortangaben.

    Datenschutz für die Befragten

    In der Marktforschung herrschen strenge Regeln hinsichtlich des Datenschutzes, denen die Institute sich selbst gesetzlich verpflichtet haben. Diese gewährte und von Ihnen unbedingt einzuhaltende Anonymität der an der Umfrage teilnehmenden Personen weist für den Forscher den Vorteil auf, eine höhere Auskunftsfreudigkeit und Preisgabe persönlicher Meinungen zu erzielen. Speziell bei Online-Befragungen können durch die wahrgenommene höhere Anonymität gegenüber einem Computer anstatt z.B. einem Interviewer am Telefon, tiefer gehende Erkenntnisse durch die Online-Marktforschung ermöglicht werden.

    Die schriftliche Einleitung sollte sich dabei nur auf das Wesentlichste beschränken, denn die potenziellen Teilnehmer wollen einen Überblick erhalten, aber nicht bereits zuviel an Texten lesen müssen. So sollten die Datenschutzrichtlinien zwar umfassend aufgeführt sein, aber am Besten mit einem Hinweis zum Anhang oder als Link zu einer separaten Seite.
    Ansprache als Einleitung zum Fragebogen

    Themenbezogene Selbstselektion

    Aus der Sicht des Forschers ist aber allein schon die Nennung des Umfragethemas nicht unproblematisch. Diese soll zwar zur Teilnahme motivieren, aber sie impliziert auch eine themenbezogene Selbstselektion der Probanden, d.h. diejenigen mit keinem Interesse an dem Thema nehmen zumeist gar nicht an dieser Umfrage teil, und fehlen dem Forscher somit in der Stichprobe. Ein Beispiel, bei Befragungen zur Computernutzung musste ich immer wieder erkennen, dass eher unerfahrene Anwender allein das Thema bereits abschreckte, weil sie sich selbst nicht kompetent genug einschätzen und glaubten, die Fragen nicht richtig beantworten zu können. Generell ist die Sorge bei Befragten hoch, etwas während einer Umfrage falsch zu machen. Die Konsequenz war leider, dass überproportional viele erfahrene Computernutzer an diesen Umfragen teilnahmen, das die Studienergebnisse deutlich widerspiegelten. In der Praxis wird häufiger nur noch ein eher allgemeines Thema zu Beginn genannt. So weckt man weder falsche Erwartungen beim Befragten, noch gibt man zu viel über die Fragestellung und dessen Ablauf preis. Denn das Beantworten der einzelnen Fragen sollte so weit wie möglich spontan vom Probanden vorgenommen werden, damit er nicht vermehrt nach seinen Erwartungen gegenüber der Befragung antwortet, sondern zu dem tatsächlich Gefragten Stellung nimmt.

    Bei mündlichen Befragungen wird die Hinführung des Befragten zur eigentlichen Umfrage durch einen Interviewer unterstützt. Das hat den Vorteil, dass die Einleitung nicht allein für sich sprechen, und somit entsprechend werbewirksam und überzeugend sein muss. Aber trotzdem muss die Person mit denselben Mitteln motiviert werden, an der Umfrage teilzunehmen. Ferner ist dem potenziellen Befragten zu erläutern, warum sie zu dieser Umfrage ausgewählt wurde, also zumeist kurz das Stichprobenverfahren ohne Fachterminus zu erklären.

    Angaben zur Umfragedauer

    Neben den nun allgemeinen Hinweisen zur Umfrage ist es heute empfehlenswert, auch die geschätzte Zeit für die Teilnahme anzugeben. Jene kann pro Person variieren, daher reicht als Angabe ein Schätzungswert aus. Sollten beispielsweise durch einen sogenannten „Pretest“ bereits Erfahrungswerte bezüglich der Dauer vorliegen, dann kann meiner Meinung nach der nach unten abgerundete Mittelwert aufgeführt werden. Natürlich schreckt die potenziellen Befragten eine höhere Befragungsdauer auch eher ab, denn selten wird gern eine halbe Stunde an Zeit für eine Umfrage geopfert. Seien Sie aber in diesem Fall nicht unehrlich, denn die Befragten merken eine hohe Diskrepanz zwischen der Angabe und der tatsächlichen Umfragedauer, und brechen entweder die Befragung ab, oder häufig reagieren sie erst im Nachhinein entsprechend verärgert, was negativen Einfluss auf Ihr Image als befragendes Unternehmen und sogar auf den Auftraggeber nimmt. Dagegen wird vom Befragten eine geringe zeitliche Differenz gar nicht wahrgenommen, d.h. wenn eine Umfrage einige Minuten länger als angegeben dauert, hat dieses selten negative Auswirkungen.

    Gelesen 32846 mal Letzte Änderung am Samstag, 29 August 2015 12:10