Donnerstag, 20 August 2015 14:06

Layout eines Fragebogens

Umfragen sollten den Befragten möglichst in eine interessante und konzentrierte Situation der Kommunikation versetzen. Die Gestaltung von Fragebögen muss dabei unterstützend auf die Befragungssituation wirken, aber keinen Einfuß auf das Antwortverhalten der Probanden nehmen. Es bedarf daher einer gut lesbaren, übersichtlichen und selbsterklärenden Aufbereitung von Fragen, ohne vom Wesentlichen (z.B. durch Bilder oder visuelle Effekte) abzulenken. Das Layout weist aber eher für schriftliche Befragungen eine entsprechend hohe Bedeutung auf, denn bei mündlichen Befragungen sieht der Proband den Fragebogen gar nicht erst, nur der Interviewer muss sich gut innerhalb des Fragebogens orientieren können.

Fragebögen sollten im Optimalfall auf den Probanden angenehm und sympathisch wirken, indem die Fragen und Antwortmöglichkeiten leicht zu erfassen sind. Dabei sollte eine wiederkehrende Gestaltungsstruktur definiert werden, indem zwar verschiedene Fragetypen unterschiedlich layoutet werden, dagegen gleiche Fragetypen auch das gleiche Aussehen aufweisen, das hilft den Probanden bei der Wahrnehmung von Fragen und deren Beantwortung. Während der Umfrage findet beim Probanden mit jeder Frage ein Lernprozess statt, wie der Fragebogen funktioniert, das über das Layout gesteuert werden kann. Verwirren Sie den Befragten daher nicht, mit immer wieder verschiedenen Designs innerhalb des Fragebogens, auch wenn der Fragebogen dadurch optisch langweilig wirkt.

Beispiel eines Fragebogens für Online Umfrage

Besonderheiten von Online-Fragebögen

Bei Online-Fragebögen muss bei der Gestaltung ferner auf die technische Ausstattung der Nutzer besondere Rücksicht genommen werden. Beispielsweise sollte von einer zu hohen festgesetzten Bildschirmgröße abgesehen werden, womit einzelne Nutzer mit einer geringeren Bildschirmauflösung die rechten Spalten bei Fragen nicht lesen bzw. anklicken könnten, das zur Verzerrung der Studienergebnisse führt. Ein Online-Fragebogen muss dem technisch kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechen, um keine Nutzer mit limitierter Computerausstattung auszuschließen.

Die heutige Praxis bei Online-Fragebögen mit einer Frage pro Bildschirmseite entspricht zwar der wichtigen Anforderung hinsichtlich Übersichtlichkeit und optimierter Wahrnehmung der Fragen, aber aus meiner Erfahrung führt dieses zwangsläufig nicht zur besseren Datenqualität. Es sollte eher auf die Minimierung von Ladenzeiten des Fragebogens geachtet werden, indem kürzere Fragen auf einzelnen Seiten zusammengefasst werden könnten. Das Scrollen auf einer Fragebogenseite sollte möglichst vermieden werden, aber nie auf Kosten von unsinnigen Ladeprozeduren durch eine übertrieben Anzahl an Seiten pro zusammengehörenden Fragen und Antwortangaben, die die Geduld des technisch “langsameren” Internetanwenders strapaziert.

Zur Motivation der Probanden eine Online-Umfrage auch zu beenden, empfehle ich nachdrücklich, den Frageumfang per Fortschrittsbalken anzuzeigen. Es sollte für den Probanden auf jeder Seite der Anteil an bisher ausgefüllten Fragen nachvollziehbar sein. Es darf nicht die Sorge beim Befragten aufkommen, das die Umfrage „kein Ende nimmt“, das würde eine erhöhte Anzahl an Abbrüchen während der Befragung provozieren.

Donnerstag, 20 August 2015 13:08

Filter und Rekrutierungsfragen im Fragebogen

Die ersten Fragen entscheiden häufig über die Teilnahmebereitschaft des Befragten an der Umfrage, speziell bei schriftlichen Befragungen ohne Interviewer. Daher kommt dem Befragungseinstieg eine besondere Bedeutung zu, die einen sensiblen Umgang mit dem Befragten erfordert. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Probanden eine Umfrage auch zu Ende führen, wenn sie die ersten Fragen beantwortet haben. Die Abbruchquoten bei schriftlichen Befragungen sind allgemein zu Beginn hoch und steigen erst wieder gegen Ende der Umfrage an, dagegen beenden bei mündlichen Interviews nur sehr wenige die Umfrage nach den ersten Fragen vorzeitig.

Die Eröffnungsfragen sollten auf die Intention des Befragten eingehen, also das Interesse zur Teilnahme auch bedienen. Die Fragen sollten somit einen inhaltlichen Bezug zum Thema der Umfrage aufweisen, und sollten eher konkret als allgemein formuliert sein, um eine persönliche Relevanz für den Befragten zu erzielen. Ferner sollten die ersten Fragen einfach sein, sowohl leicht durch die Befragten zu beantworten, als auch eindimensional formuliert und skaliert sein. Wählen Sie also kurze Fragen mit wenigen Antwortmöglichkeiten, um den Befragten einen leichten Einstieg zu ermöglichen.

Filter und Rekrutierungsfragen

Diesen Anforderungen folgend eignen sich Filterfragen oder Fragen zur Person als Befragungseinstieg nicht. Nun hat es sich aufgrund des Einsatzes von computergestützten Fragebögen ergeben, dass in der Praxis vermehrt sehr spezifische Personengruppen befragt werden sollen. Beispielsweise nur Kunden einer bestimmten Marke mit einer vorgegebenen Verteilung hinsichtlich verschiedener Personenmerkmale, um einen repräsentativen Kundenstamm zu befragen. Durch den Einsatz von Computern bei Telefon- und Online-Befragungen können nun einfacher sowohl komplizierte Filterstrukturen im Fragebogen eingesetzt als auch Quoten nach mehreren Personenmerkmalen für die Stichprobe erfüllt werden. Aus diesem Grund werden heute oft demographische Fragen sowie Besitz- und Nutzungsfragen als Rekrutierungsfragen, innerhalb eines so genannten „Screeners“ zu Beginn aufgeführt, die den Befragten aber langweilen und auch das Misstrauen wecken können, wenn sich z.B. direkt nach dem Einkommen erkundigt wird.
Filterfragen und Rekrutierungsfragen im Fragebogen

Für mich gilt hierbei die Grundregel, so wenig Rekrutierungsfragen wie möglich aufzunehmen, auch wenn andere nicht für die Selektion relevante Fragen inhaltlich dazu passen, sollten diese zwingend an eine spätere Stelle im Fragebogen gesetzt werden. Man sollte im sogenannten „Screener“ mit einfachen Fragen wie zum Geschlecht und Alter des Befragten innerhalb der Filterführung und Quotenbildung beginnen, und so spät wie möglich komplexere Fragen mit einer Vielzahl an Antwortmöglichkeiten folgen lassen. Aber meiner Meinung nach ist es noch wichtiger, die „schwierigsten“ Filter so früh wie möglich zu setzen, d.h. diejenigen Fragen, die vermutlich die meisten Befragten herausselektieren werden. Denn bei jedem Befragten entsteht eine Frustration, wenn sie sich motiviert hat, an einer Umfrage teilzunehmen, aber dann erkennen muss, dass die eigene Meinung gar nicht gefragt ist, und man nicht weiter an der Umfrage teilnehmen darf. Auch große Filtersprünge zu Beginn der Befragung hinterlassen beim Probanden den Eindruck, dass man selbst gar nicht die Zielperson für die Umfrage ist, und das demotiviert den Probanden, was negativen Einfluss auf das Antwortverhalten bzw. auf die Aufmerksamkeit gegenüber den weiteren Fragen hat. In jedem Fall sollte man lieber alle Filterfragen zur Quotenbildung und zur Selektion der Zielpersonen zu Beginn der Umfrage stellen, als der Fragensuzzession (Reihenfolge der Fragen entsprechend einer Dramaturgie im Fragebogen) zu folgen. Das ist eine Konzessionsentscheidung, aber immer noch besser als Befragte nach z.B. der Hälfte einer Umfrage diese plötzlich beenden zu lassen.