Donnerstag, 20 August 2015 14:21

Skalenstruktur

Für Skalen existieren wichtige Kriterien für eine optimale Operationalisierung der Forschungsfrage, also für die Entscheidung des Forschers welche Skala die beste Option hinsichtlich deren Art und Struktur darstellt. Für die Formulierung von Items (Antwortmöglichkeiten als Skalenpunkte) bestehen die gleichen Regeln wie für die Frageformulierung (siehe Schnell, Hill & Esser 2011 basierend auf Edwards 1957), also hinsichtlich Verständlichkeit, Eindeutigkeit, Dimensionalität u.a. wie zuvor beschrieben. Es müssen sich aber ferner grundlegende Fragen zur Skala (z.B. zur Skalenbreite, Verbalisierung, Ausgeglichenheit, Dimensionalität und Ausrichtung der Skala) gestellt werden. Diese folgen zugegebenermaßen häufig eher der Philosophie des Fragebogenkonstrukteurs. Denn eine genau passende Skala basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen existiert pauschal nicht, erst im Kontext zur Fragestellung kann häufig eine Entscheidung aufgrund der Vor- und Nachteile für die bestmögliche Alternative getroffen werden.

Anzahl an Skalenpunkten und Skalenbreite

Als Erstes müssen Sie sich für die Anzahl an Skalenpunkten zu Ihrer Frage entscheiden, also ob diese über eine ungerade oder gerade Anzahl sowie über wie viele Skalenpunkte insgesamt sie verfügen soll. Es gilt dabei je höher die Anzahl der Skalenpunkte desto so mehr kann der Befragte seine Antwort differenzieren. In der Regel sollten bei einer angehenden Intervallskala zwischen vier und sieben Skalenpunkte vorgegeben werden, wobei manchmal auch bis zu zehn Skalenpunkte eingesetzt werden. Zwar bietet eine höhere Anzahl auch mehr Variationen bei der Beantwortung der Frage an, so kann aber diese den Befragten auch die Auswahl entsprechend seiner Meinung erschweren, denn meiner Erfahrung nach sind diese längeren Skalen intuitiv schwerer zu erfassen. Aus diesem Grund würde ich keine Skalenbreite mit mehr als zehn Punkten empfehlen, weil ein Unterschied zwischen beispielsweise dem 18. und 19. Punkt kaum mehr wahrgenommen wird und daher auf den Befragten viel zu abstrakt und theoretisch wirkt. Während der Befragung wird dann von der Mehrheit der Probanden die volle Breite der Skala gar nicht genutzt, sondern es ist eine Ballung an Antworten an den Extremen der Skala zu erkennen, d.h. die Probanden „schauen“ vermehrt nur auf die Endpunkte und auf die zwei davorstehenden Punkte, um ihre Einschätzung einordnen zu können.
Anzahl an Skalenpunkten

Mit der Entscheidung für eine ungerade Anzahl gibt man als Forscher einen Skalenmittelpunkt vor, z.B. bei einer mit fünf Ausprägungen ist die Dritte dieser Mittelpunkt. Ist eine Skala zweidimensional (z.B. von „lehne ich ab“ bis „stimme ich zu“), dann wird diese Mitte als neutraler Punkt zwischen den beiden Richtungen (vergleichsweise wie ein Nullpunkt) identifiziert. Eine eindimensionale Skala dagegen lässt nur Antworten in eine Richtung (z.B. von keiner bis absoluter Zustimmung) zu, so dass sie eigentlich keinen neutralen Punkt impliziert, aber trotzdem nehmen die Befragten diesen mittlerer Punkt innerhalb der Skala als einen solchen wahr. Sie bieten dem Befragten somit die Möglichkeit, eine „unentschiedene“ Meinung äußern zu können. Leider zu häufig nutzen die Befragten diese Option, um einer Antwort auszuweichen, um sich persönlich gar nicht entscheiden zu müssen. Bei einer geraden Anzahl zwingt man den Befragten dagegen eine Tendenz zu entwickeln, also eine eigene Position zu beziehen. Nur gibt es real eben die Situation, dass der Befragte keine Meinung dazu hat, oder sich einfach für keine Tendenz entscheiden kann. Aber aufgrund der Skala wird keine neutrale Option zugelassen, was dann leider zu einer „wahllosen“ Falschangabe durch den Befragten führen kann, oder falls die Möglichkeit besteht zu einer Antwortverweigerung. Mit der Anfügung einer Art „Restkategorie“ an die Skala mit der Option „weiß nicht“ könnte man der Problematik der motivierten Falschangabe entgehen, aber ich persönlich empfehle deren Einsatz nicht gern. Einerseits bietet man den bequemeren Befragten wieder eine Möglichkeit der mangelnden Auseinandersetzung mit der Frage, andererseits gewöhnen sich alle Befragten während der Umfrage daran, dass eine ausweichende Antwort durchaus legitim ist, und somit wird diese im Laufe der Befragung immer häufiger auch genutzt, obwohl grundsätzlich eine Meinung zu den Fragen vorhanden oder möglich gewesen wäre. Beide vorliegenden Varianten haben also ihren Vorteile aber auch Nachteile, daher ist jeweils eine Entscheidung nicht leicht, aber allein Ihr Wissen darum kann für die Datenanalyse von Bedeutung sein. Bei den von mir entwickelten Fragebögen zwinge ich die Befragten zu einer Entscheidung, also ich persönlich nehme zumeist gerade Skalen mit sechs Punkten ohne ausweichende Option auf. Ich gehe dabei von der Philosophie aus, dass wir zu allem eine Meinung haben, auch wenn sie eher schwach ausgeprägt ist, und ich eine kognitive Auseinandersetzung beim Probanden provozieren möchte. Durch eine Zeitmessung während der Online-Umfrage erhalte ich zudem ein Indiz für die Solidität der Antwortangaben zu jedem Befragten. Benötigt ein Proband nur wenige Sekunden für das Beantworten einer Frage, hat er vermutlich wahllos oder aber in jedem Fall nicht adäquat auf die Fragestellung geantwortet, und ich kann dessen Antworten für die Auswertung unberücksichtigt lassen. Interessant aber konträr gegenüber meiner Philosophie der Fragebogenkonstruktion ist, dass im angloamerikanischen Raum gern bei jeder Frage die Option „weiß nicht“ angeboten wird, aber nur um diese Befragten dann als unqualifiziert zu identifizieren, und entweder die Umfrage für sie vorzeitig zu beenden oder diejenigen später, vor der Datenanalyse aus dem Datensatz zu entfernen.

Verbalisierung der Skalenpunkte

Es stellt sich nun die Frage sollen alle Skalenpunkte oder nur die Endpunkte verbalisiert werden. In der Praxis wird eine vierstufige Skala beispielsweise zur Zustimmung gern (mit „stimme voll und ganz zu“, „stimme eher zu“, „stimme eher nicht zu“, „stimme überhaupt nicht zu“) verbalisiert. Dem Befragten soll damit der „Wert“ der jeweiligen Skalenpunkte eindeutig vermittelt werden. Es dient in jedem Fall dem Befragten für ein einfacheres Verständnis der Skala. Und weil die Skala zu diesen Fragen meistens eine Rangordnung aufweist, beschränken sie kaum die Anwendung von Analyseverfahren während der Datenauswertung.
Verbalisierung von Skalenpunkten

Bei einer höheren Anzahl an Skalenpunkten wird die angemessene Beschriftung der einzelnen Punkte aber schon schwieriger, um noch eine allgemein verständliche Rangordnung der Skala zu vermitteln. Und bei ungeraden Skalen wird die Benennung des mittleren Skalenpunkt nie vollends glücken, es wird sich häufig mit Begriffen wie „weder noch“, „teils/teils“ oder „sowohl als auch“ beholfen. Von einer Nutzung der ausweichenden Optionen als Mittelpunktbeschriftung (wie „weiß nicht“ oder „keine Meinung“) ist vollständig abzuraten, weil es den ordinalen Charakter der Skala zerstört, da die Rangordnung verloren geht. Aus diesem Grund empfiehlt es sich nur die Endpunkte der Skala mit den Extremen zu benennen. Damit überlässt man aber den Befragten die Bedeutung der Punkte dazwischen zu definieren, was natürlich nicht jeder gleichermaßen macht. Aus diesem Grund empfehle ich nur kurze Skalen mit drei oder vier Punkten zu verbalisieren. Bei längeren Skalen empfiehlt sich dagegen nur die Endpunkte zu beschreiben, aber dann die Skala auch nicht zu breit zu gestalten, eher nur mit bis zu sieben Punkten zu definieren, um die Vielfalt an Interpretationen zur Skala seitens der Befragten geringer zu halten.

Zum Abschluss muss man sich noch für eine Richtung der Skala entscheiden, d.h. ob der niedrigste Skalenwert links und der Höchste am rechten Ende stehen soll (oder eben andersherum). In unserem Kulturkreis denken wir intuitiv von links nach rechts, daher empfiehlt sich auch eine Skala von links nach rechts (von niedrigen nach hohen Skalenwerten, von schlechten nach guten Wertungen). Nur bei mündlich vorzulesenden Fragebögen kann es manchmal Sinn machen, die Skala andersherum zu präsentieren, weil es eher dem Verständnis von gesprochener Sprache entspricht, zuerst mit dem positiven Aspekt zu beginnen.

Eine mögliche, optimale Skala

Eine eindeutige Empfehlung für die optimale Skala konnte ich Ihnen leider nicht geben, aber meiner Erfahrung nach hat sich eher eine vierstufige, verbalisierte Skala oder eine sechsstufige Skala mit Benennung der Endpunkte ohne Mittelpunkt von links nach rechts ausgerichtet in der Praxis bewährt. Trotzdem erscheint manchmal auch der Einsatz eines Skalenmittelpunkts oder einer „weiß nicht“ Option abhängig von der Frage und Thema sogar notwendig. Ich will damit keinen Skalentyp grundlegend ablehnen.
Das Wichtigste dabei ist, dass der von Ihnen entwickelte Skalentyp im Fragebogen fort während eingesetzt wird. Denn ein häufiger Wechsel der Skalen innerhalb eines Fragebogens verwirrt den Befragten und führt im Laufe der Umfrage zu unabsichtlichen Fehlantworten, weil während der Befragung ein Lernen hinsichtlich der Skalentypen stattfindet, also der Proband deren Funktion verstanden hat und nun unterstellt, dass das Prinzip beibehalten wird. Trotzdem kann man häufig nicht alle Fragen mit der gleichen Skala abdecken, daher ist eine zweite oder auch dritte Variante legitim, aber versuchen sie diese so ähnlich wie möglich zu halten.

Besonderheiten bei mündlichen Befragungen und Rotationen

Bei mündlichen Befragungen (z.B. per Telefon) können Skalen mit mehreren bis vielen Ausprägungen die Assoziationsfähigkeit des Probanden überfordern. Denn die Befragten müssen sich die durch den Interviewer nur vorgelesene Skala auch merken können, wohingegen sie sich die Skala bei einer schriftlichen Umfrage immer wieder ansehen können, wenn sie in Vergessenheit geraten ist. Aus diesem Grund werden grundsätzlich eher kurze und einfache Fragen und Skalen bei mündlichen Befragungen empfohlen. Der Einsatz von Ziffern zu den Skalenpunkten soll dabei das Antwortverhalten erleichtern, aber eine regelmäßige Wiederholung der Definitionen zur Skala ist trotzdem notwendig. Bei der Nennung von mehreren Antwortalternativen innerhalb einer Frage besteht grundsätzlich die Tendenz beim Befragten auf die später aufgeführten Angaben (recency-effect) auszuweichen. In Online-Umfragen herrscht seitens der Probanden, ähnlich wie bei schriftlichen Befragung, dagegen eine Antworttendenz zu früher aufgeführten Angaben (primacy-effect). Aus diesem Grund ist eine automatische Rotation von Items (und sogar auch Fragen) mittels Zufallsgenerator bei computergestützten Umfragen sehr wichtig, wie auch eine zufällige Anordnung der Items innerhalb einer Batterie (ein Set an Aussagen zur Bewertung) realisierbar sein sollte. Bei mündlichen Umfragen ohne Computerunterstützung wird dafür ein Aufteilen der Frage in eine Haupt- und in eine differenzierende Folgefrage empfohlen. Dabei sollte die Hauptfrage dichotom skaliert sein, und erst die Folgefrage den Grad bzw. das Ausmaß der Antwort (z.B. der Zustimmung oder Ablehnung) messen. Generell ist bei mündlichen Umfragen der Einsatz von allgemeingültigen Hilfsmitteln ratsamer, wie z.B. die Anwendung von Schulnoten als Skala.

Donnerstag, 20 August 2015 14:18

Skalentypen

Zu jeder Frage gehören natürlich auch die dazugehörigen Antwortmöglichkeiten, die man als Skala bezeichnet, weil mit deren Beantwortung der Prozess des Messens stattfindet. Bei der Entwicklung von Skalen existieren sozialwissenschaftliche Standards (siehe Schnell, Hill & Esser 2011 basierend auf Stevens 1946), womit verschiedene Skalenniveaus definiert worden sind, die als standardisiertes Instrument zur Datenerhebung per Fragebogen dienen. Diese Skalenniveaus werden unterschieden nach Nominal-, Ordinal-, Intervall- und Ratioskala.

Bei einer Nominalskala wird jede Antwortmöglichkeit genau einem sich gegenseitig ausschließenden Skalenpunkt zugeordnet, so dass der Proband keine überschneidenden Antworten vorfinden darf, sondern die Items (Antwortmöglichkeit als Ausprägung der Skala) unabhängig von einander bestehen, also entweder das eine oder das andere zutrifft, wie z.B. bei der Frage zum Geschlecht des Befragten.
Die einfachste Nominalskala ist eine dichotome, mit den beiden Antwortmöglichkeiten „Ja“ oder „Nein“, aber Nominalskalen können natürlich auch mehrere Ausprägungen aufweisen. Inhaltlich werden die meisten Wissen-, Verhaltens- oder Nutzungsfragen als Nominalskala umgesetzt. Beispielsweise eine Frage zum Besitz von Produkten im Haushalt mündet in eine lange Liste mit von einander unabhängigen Produkten, die der Befragte nur entweder besitzen kann oder nicht. Aber auch viele Fragen zu den Eigenschaften der Befragten (z.B. soziodemographische Merkmale) können nur als Nominalskala operationalisiert werden, weil beispielsweise bei der Frage zum Familienstand sich deren möglichen Antworten wahrhaftig untereinander ausschließen.

Bei einer Ordinalskala müssen die Antworten sich ebenfalls wie zuvor gegenseitig ausschließen und unabhängig voneinander sein, aber diesmal unterliegen die Antwortmöglichkeiten einer Rangordnung, d.h. die Ausprägungen stehen in einer relationalen, ranggeordneten Beziehung zueinander. Zum Beispiel eine Bewertungsskala per Schulnoten impliziert eine Rangordnung, indem ein „sehr gut (1)“ eine bessere Schulnote als ein „gut (2)“ darstellt, aber eine Schulnote „gut (2)“ nicht doppelt so gut wie ein „ausreichend (4)“ ist. Inhaltlich werden häufig Fragen nach den Überzeugungen oder Wertorientierungen der Befragten als Ordinalskala realisiert, weil eine Rangordnung dabei stärker das Maß an Überzeugungen oder Werten beim Probanden zum Ausdruck bringen kann.
Nominalskala und Ordinalskala

Metrische Skalen

Eine Intervallskala muss zusätzlich das Kriterium erfüllen, dass die Abstände zwischen den Skalenpunkten genau gleich sind. In der Praxis existieren aber nur sehr wenige Situationen, wo sich eine Intervallskala zur Messung einer lebensnahen Situation einsetzen lassen würde. Für eine Vielzahl von Auswertungsverfahren ist aber deren Einsatz eine Grundvoraussetzung für tiefer gehende Analysen, denn als Forscher ist es sehr lehrreich beispielsweise etwas als doppelt so wertvoll oder effektvoll bezeichnen zu können. Aus diesem Grund sollte man häufig bereits bei der Fragebogenentwicklung entsprechende Fragen mit Intervallskalen als Antworten entwickeln. Es hat sich etabliert, nur Ziffern als Skalenpunkte vorzugeben, so dass der Befragte beispielsweise zwischen den Zahlen von 1 bis 6 wählen soll. Es müssen dann nur die Endpunkte definiert werden, indem z.B. die 1 für „überhaupt nicht“ und die 6 für „voll und ganz“ steht, und der Proband entsprechend seiner Meinung dazwischen abstufen kann. Das ist natürlich eine künstlich produzierte Intervallskala, indem dem Befragten mittels Zahlen suggeriert werden soll, das die Abstände zwischen diesen Skalenpunkten gleich sind. Leider interpretiert nicht jeder Proband dieses gleichermaßen so, aber ich empfehle diese Technik trotzdem, weil bisher leider keine bessere Alternative entwickelt worden ist.
Intervallskala

Eine Ratioskala (oder auch Verhältnisskala genannt) ist eine Intervallskala mit einem natürlichen Nullpunkt, also der tatsächlichen Abwesenheit des zu messenden Merkmals. Zum Beispiel ist das Längenmaß eine typische Ratioskala, indem die Körpergröße in Zentimeter gemessen wird, aber wenn der Messwert „Null“ erreicht, das Objekt gar nicht da bzw. nicht existent ist. In der Praxis können Ratioskalen beispielsweise für die Erfassung von Angaben hinsichtlich des Einkommens, der Anzahl an Kindern im Haushalt oder auch für Nutzungszeiten eingesetzt werden, wo eine Antwort „Null“ jeweils deren Abwesenheit oder auch „Nicht-Existenz“ bedeutet, also kein Einkommen, keine Kinder im Haushalt oder keine Nutzung durch den Befragten. Inhaltlich werden diese beiden metrischen Skalen häufig für Fragen nach Einstellungen oder Meinungen von Befragten verwandt.
Ratioskala

Erst metrische Skalen ermöglichen die Erfassung einer differenzierten Meinung oder Einstellung des Befragten. Die Skala ermöglicht dabei eine Varianz an Antworten bezüglich der eigenen Position des Probanden zu bestimmten vorgegeben Themen, also geht weit über eine dichotome Skala mit Ja-Nein Optionen hinaus, denn sie misst sogar die Intensität beispielsweise an Zustimmung oder Ablehnung zu einer Frage. Für den Forscher bietet sich mit diesen variierenden Antworten ein differenzierteres Ergebnis bezüglich der Fragestellung.

Donnerstag, 20 August 2015 14:15

Frageformulierung

Für die Formulierung von Fragen besteht in der Forschung traditionellerweise eine Reihe von Faustregeln (siehe Schnell, Hill & Esser 2011 basierend auf Payne 1951), um ein standardisiertes und unabhängiges Ergebnis mittels der Befragung zu erhalten.
Ein Fragebogen sollte für jeden Befragten gleichermaßen sowohl hinsichtlich der Fragen als auch der Antwortvorgaben verständlich sein. Aus diesem Grund sollte man nur einfache und uneindeutige Worte wählen. Also ohne die Verwendung von nicht allgemein bekannten Fachausdrücken und Fremdworten auskommen, sowie keine Abkürzungen und auch keine Umgangssprache oder Slangausdrücke nutzen. Ferner wird auch von doppelten Negationen und Verneinung innerhalb der Frageformulierung abgeraten. Wenn der Befragte die Frage wegen der Wortwahl nicht verstehen kann, dann ist von ihm auch keine adäquate Antwort auf die Frage zu erwarten. Es gilt hier den kleinsten gemeinsamen Nenner zu wählen, so dass auch weniger gebildete Personen den Fragebogen verstehen können. In der Praxis ist es manchmal leichter gesagt als getan, denn Personen definieren beispielsweise einfache Gefühlszustände sehr unterschiedlich.

Ferner sollten Fragen konkret gestellt werden, daher darf die Ausführung auch nicht zu allgemein beschreibend ausfallen, wobei entsprechend abstrakte Begriffe (wie z.B. „diese Sache“, „in etwa“) vermieden werden sollten. Die Regeln der deutschen Sprache müssen eingehalten werden, und die Fragen sollte eher kurz formuliert werden, um für die Befragten verständlich zu bleiben. Zu lange und komplexe Satzstrukturen können den Probanden verwirren. Auch aufwendige Erklärungen zur Frage schaden eher, weil sie entweder gar nicht erst gelesen werden, oder eine zu hohe kognitive Herausforderung für den Befragten darstellen. Überfordern Sie Ihre Befragten nicht, in dem Sie zu aufwendige Aufgaben stellen. Trotzdem müssen Sie vielleicht unklare, aber für die Frage notwendige Begriffe für den Befragten definieren.
Schlechtes Beispiel für eine Frage

Generell sollten Fragen neutral und eindeutig formuliert werden, also einen klaren Bezug zu dem darzustellenden Sachverhalt in der Frage herstellen. Neutral bedeutet keine bereits bewerteten Formulierungen oder belastete Wörter zu verwenden, wie z.B. „unglaubwürdige Politiker“, denn damit beeinflussen Sie den Probanden hinsichtlich seines Antwortverhaltens. Eindeutig sollte der Bezug der Frage hinsichtlich Zeit und Gegenstand sein, also auch keine doppelten Stimuli in einer Frage verwenden. Eine Frage, wie z.B. „wie bewerten Sie die Politik und Wirtschaft in Deutschland?“, muss getrennt und zeitlich konkreter formuliert werden („wie bewerten Sie die Politik in Deutschland in den letzten 12 Monaten?“). Eine Mehrdimensionalität der Frage gilt es unbedingt zu vermeiden, weil sonst während der Datenanalyse nicht erkennbar wird, auf welchen Teil die Antwort des Probanden sich bezieht.

Soziale Erwünschtheit bei kritischen Fragen

Ein Fragebogen sollte unabhängig auf das Antwortverhalten des Befragten wirken. Aus diesem Grund müssen Unterstellungen und suggestive Fragen vermieden werden, wie z.B. „haben auch Sie schon …“, „gehören Sie auch zu den wenigen Personen…“. Diskriminieren Sie den Befragten nicht, indem Sie ihn als Minderheit oder unnormal darstellen. Der Befragte wird durch seine Antwort sonst bemüht sein, sich sozial anzupassen und konform der Mehrheit zu antworten. Auch Zitate von Autoritäten und Experten rufen entsprechende Reaktionen beim Probanden hervor, so dass diese sich minderwertiger fühlen könnten, und die Motivation an der weiteren Umfrageteilnahme verlieren. Provozieren Sie niemals bereits aufgrund der Frageformulierung ein vermutetes oder wünschenswertes Ergebnis.
Es existiert allgemein eine Tendenz zur Abgabe sozial erwünschter Antworten durch den Befragten, d.h. bei kritischen Fragen (z.B. zum Alkoholkonsum) wird der tatsächliche Sachverhalt häufig verschwiegen oder beschönigt, um keine sozialen Konsequenzen befürchten zu müssen, oder um im Interview soziale Anerkennung zu erlangen. Dieses Antwortverhalten zu identifizieren, um eine Verzerrung der Studienergebnisse zu vermeiden, stellt sich als sehr schwierig dar. Es wird angenommen, dass speziell Personen mit geringem Selbstbewusstsein entsprechend den vermuteten Erwartungen antworten. Ich musste ferner feststellen, dass beispielsweise bei Akademikern mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein ebenfalls häufiger soziale Erwünschtheit nachweisbar war, weil zu dem Bild eines erfolgreichen Menschen kein Übermaß an Konsum (z.B. Alkohol oder Essen) akzeptiert ist. Der Einsatz von sogenannten „kritische Fragen“, die dem Befragten unangenehm sind zu beantworten, weil sie ein tabuisiertes Thema (wie Sexualleben, Krankheiten, Drogenkonsum etc.) ansprechen, stellt grundsätzlich ein Problem der Befragung dar. Daher sollten kritische Fragen auch eher an das Ende eines Fragebogens gestellt werden, aber trotzdem muss man mit Falschangaben oder einer Verweigerung der Antwort rechnen. Aus diesem Grund eignet sich für solche Befragungsthemen auch die Durchführung einer Online-Umfrage, wo dem Probanden eine höhere Anonymität suggeriert wird. Denn kein Interviewer beeinflusst die Aussagen des Probanden allein durch seine Anwesenheit, da der Befragte seine Angaben allein vor dem Computer tätigen kann.
Suggestivfrage und unausgeglichene Skala

Hypothetische und fiktive Fragen

Es wird ferner empfohlen keine hypothetischen Fragen zu stellen, wie z.B. „stellen Sie sich vor …“ oder „angenommen Sie hätten gestern …“, weil sich nicht jeder gleichermaßen in eine ihm unbekannte Situationen hineinversetzen kann, und das Antwortverhalten primär von der Phantasie des Befragten und dessen Fähigkeit zum abstrakten Denkens abhängt. Ich persönlich finde diesen Ansatz aber legitim, insoweit die hypothetische Situation vom Probanden bereits in der Vergangenheit erfahren worden ist. Ich versetze beispielsweise kaufentscheidende Computeranwender gern in die Situation „Wenn Sie heute einen Computer kaufen würden …“, aber ich würde niemals fragen „Wenn Sie heute 6 Richtige im Lotto gewinnen würden …“. Weil jeder kaufentscheidende Computeranwender über die eigene Erfahrung zu einem Computerkauf verfügt, aber kaum jemand bereits einen Lottogewinn erlebt hat. Bei dieser Art der hypothetischen Frage ist für mich die situative Anwendung von Erfahrungen relevant, und nicht die Fähigkeit des abstrakten Denkens seitens des Befragten.

Zur Kontrolle des Antwortverhaltens der Befragten werden manchmal fiktive Fragen, die keine real existierende Situation abbilden, im Fragebogen aufgenommen. Zum Beispiel wird bei einer Liste an möglichen bekannten Markennamen eine nicht existente Marke mit aufgeführt. Nun lässt sich aber beobachten, dass diese gar nicht existente Marke einigen Personen bekannt ist, und jene sogar eher unzufrieden mit deren Angeboten sind. Die Ursache liegt aber nicht in einer mangelnden Aufmerksamkeit der Befragten, sondern sie gehen grundsätzlich davon aus, dass eine Umfrage Sinn ergibt, und auch alle darin enthaltenden Fragen. Also geht der Proband von der Existenz dieser Marke aus, und um nicht seine Unkenntnis zu zeigen, wird diese Marke auch als bekannt markiert. Bei der Nachfrage zur Zufriedenheit mit dieser Marke kann die Person keine Angaben tätigen, aber deren Angebote können kaum vorteilhaft sein, sonst hätte man als Befragter bereits davon gehört.
Meiner Meinung nach muss das Antwortverhalten dieser Personen nicht auch zwingend für die restliche Umfrage angezweifelt werden, nur weil bei dieser Frage Wissen vorgetäuscht wurde. Denn mit dieser Art der Fragestellung wurde ein solches Verhalten provoziert, weil der Proband nun eben an die Sinnhaftigkeit der Frage glaubt, und die Reaktion in der Natur des Menschen - genauso wie z.B. die soziale Erwünschtheit - liegen kann. Ich persönlich empfehle Ihnen nicht nur solche fiktiven Fragen zu vermeiden, sondern ich warne Sie sogar vor deren Einsatz. Ich musste in der Praxis immer wieder erfahren, dass Auftraggeber eine ganze Studie grundsätzlich in Frage gestellt haben, weil 5% der Befragten angaben, etwas zu kennen oder sogar zu nutzen, das noch gar nicht existierte. Sie könnten sich mit einer einzigen Frage und dessen zweifelhaften Ergebnis Ihre ganze Forschungsarbeit zu Nichte machen. Und leider wird Ihre Arbeit eine Erklärung dieser Diskrepanz mittels der Kognitionspsychologie auch nicht retten.

Donnerstag, 20 August 2015 14:13

Fragetypen

Bei einem standardisierten Fragebogen unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Typen an Fragen: geschlossene, halboffene und offene Fragen. Bei geschlossenen Fragen kann der Proband nur aus den vorgegebenen, definierten Antwortmöglichkeiten auswählen, und zwar sich entweder für genau eine (Einfachnennung) oder mindestens eine Antwort (Mehrfachnennungen) entscheiden. Bei einer Frage mit mehrfach zulässigen Antwortangaben muss in der Regel zumindest eine Alternative ausgewählt werden, aber der Befragte kann auch mehrere bestimmen, wobei vom Forscher auch eine genaue Anzahl, z.B. genau drei Nennungen, als Pflichtantwort definiert werden kann. Es ist sinnvoll, bei jeder Frage entsprechende Hinweise für den Befragten aufzuführen, wie z.B. „Mehrfachnennungen möglich“. Bei Online-Umfragen wird der unterschiedliche Fragetypen auch optisch wahrnehmbar, indem eine Einfachnennung per Radio-Button (runde Felder) und mögliche Mehrfachnennungen durch Checkboxen (eckige Felder) im Fragebogen angezeigt werden. Der Befragte kann somit bereits durch das Gestaltungslayout erkennen, welche Aufgabe pro Frage erfüllt werden soll.
Geschlossene Frage

Der Vorteil von geschlossenen Fragen liegt sowohl in der einfacheren Beantwortungsmöglichkeit für den Probanden als auch in der leichteren Datenauswertung der Frage. Ferner bieten die vorgegebenen Antwortoptionen dem Befragten einen inhaltlichen Rahmen, wie die Frage zu verstehen ist, so dass beim Probanden seltener Missverständnisse bezüglich der erwartenden Antworten auftreten. Geschlossene Fragen bedürfen der größeren Sorgfalt bei der Ausarbeitung der Antwortvorgaben durch den Forscher, denn werden für die Frage wesentliche Kategorien vergessen, kann der Befragte keine für ihn zutreffende Antwort geben, und die Frage wird verweigert oder falsch bzw. beliebig beantwortet. Eine bewusst falsche oder beliebige Antwort ist aber bei der Datenauswertung nicht als solche zu erkennen, und diese unqualifizierte Antwort mangels ausreichender Antwortoptionen geht als gleichwertige Angabe in die Datenanalyse ein, was für die Datenqualität der Studie schlimmer als eine Verweigerung des Probanden ist. In diesem Punkt zeigt sich auch eine grundsätzliche Problematik der computergestützten Befragung, die heute zumeist mit Pflichtangaben zu jeder Frage programmiert wird. So ist ein Auslassen der Frage nicht möglich, ohne einen Gesamtabbruch der Umfrage zu provozieren. Aus diesem Grund bietet man häufiger auch ausweichende Antwortoptionen zur Frage an, wie z.B. „weiß nicht“, „keines von diesen“ oder „anderes“. Dem Forscher ist dann eine legitimierte Verweigerung der Antwort lieber als eine erzwungene Falschangabe durch den Probanden. Grundsätzlich ist jede geschlossene Frage nur so gut, wie dessen Antwortkategorien vollständig das Thema zur Frage umfassen und die Realität abbilden.

Halboffene Fragen

Um dem Vergessen einer relevanten Antwortkategorie entgegenzuwirken, scheinen häufiger halboffene Fragen eingesetzt zu werden. Diese Frageform besteht aus einer an sich geschlossenen Frage, die um eine offene Angabe als Antwortoption ergänzt wird. Trifft für den Probanden keine der vorgegebenen Antworten zu, erhält derjenige die Möglichkeit, eine freie Textangabe in ein offenes Feld zu tätigen. Bei Fragen mit möglichen Mehrfachnennungen kann der Proband zumeist auch mindestens eine vorgegebene Antwort auswählen, und ergänzend eine offene Angabe vornehmen. Bei Fragen mit Einfachnennung darf diese Angabe nur alternativ gewählt werden. Häufig soll in diesem Fall die vorgegebene Antwortoption „Sonstiges“ oder „Anderes“ durch den Befragten näher beschrieben werden, beispielsweise mit dem Hinweis „Bitte geben Sie an, was Sie mit Sonstiges meinen“. Diese alternative Antwortoption sollte am Ende der Kategorienliste aufgeführt werden, um sie dem Probanden tatsächlich auch als „letzte Option“ anzubieten.
Halboffene und offene Frage

Eine halboffene Frage eignet sich meiner Meinung gut, wenn alle allgemein feststehenden und bekannten Kategorien durch die geschlossene Frage abgedeckt werden, und weniger Bestimmbare aufgrund von sehr geringen Reichweiten durch die offene Option ergänzt werden sollen. Zum Beispiel zur Nutzung von Fernsehsendern via Satellit sollte man nicht alle mehr als 100 existierenden deutschsprachigen Programme aufführen, sondern nur die Bekanntesten mit einem Mindestmaß an Reichweite vorgeben, aber die Übrigen mit dieser offenen Antwortkategorie erfassen.

Aber halboffene Fragen präventiv aus Bedenken beispielsweise gegenüber der Vollständigkeit an Kategorien zu wählen, ist wegen ihren Nachteilen keine sinnvolle Entscheidung. Sollte man als Forscher tatsächlich eine Kategorie vergessen haben, dann erhält man zwar einen Hinweis darüber, aber dessen statistische Verteilung ist nicht signifikant. Denn die Verteilung von offenen Angaben bei halboffenen Fragen ist fast immer niedriger als wenn diese Teil der vorgegebenen Kategorienliste gewesen wären. Die Befragten neigen nämlich häufig dazu, bevor sie diese offene Option wählen, sich lieber zu einer der bestehenden Antwortmöglichkeiten zu zwingen, sollte eine vorgegebene Antwort zwar weniger aber noch akzeptabel zutreffend für die Person sein. Ferner fällt die Formulierung der eigenen Meinung als offene Nennung den Befragten schwerer als man denken mag.
Bei meinen Datenanalysen hat sich eine statistische Auswertung dieser offenen Angaben zu einer geschlossenen Frage selten als sinnvoll herausgestellt, eben wenn sie präventiv ohne forscherische Intention eingesetzt wurde. In jedem Fall stelle ich deren Häufigkeitsverteilung nicht im Vergleich zu den anderen, vorgegebenen Kategorien dar. Leider musste ich auch immer wieder erkennen, dass diese offene Option offensichtlich verwirrend auf den Befragten wirkt. Denn die Qualität speziell dieser Antwortangaben ist zumeist niedrig, manchmal sogar ohne inhaltlichen Bezug zur Frage, weil anscheinend einzelne Befragte sich gezwungen sehen, etwas zu äußern, nur weil die Möglichkeit dazu besteht.

Offene Fragen

Um persönliche, detaillierte und qualitative Antworten vom Probanden zu erhalten, bieten sich offene Fragen innerhalb einer standardisierten Befragung an. Offene Fragen stellen aber eine höhere Anforderung an die kognitiven Fähigkeiten des Probanden, und deshalb sollten sie im Fragebogen nur sporadisch eingesetzt werden. Der Befragte muss bei offenen Fragen sowohl den inhaltlichen Rahmen der Frage identifizieren, als auch seine Einstellung dazu für sich selbst erörtern und formulieren. Aus diesem Grund sind meiner Erfahrung nach offene Fragen auch nicht besonders beliebt und werden häufiger verweigert. Um den Probanden nicht zu demotivieren, ist daher auch ein Beantwortungszwang von offenen Fragen innerhalb einer Umfrage nicht zu empfehlen.
Offene Fragen sollten eingesetzt werden, wenn sie der Recherche neuer Themen und Aussagen zur Umfrage dienen, wo noch keine Erfahrungen beim Forscher vorliegen. Oder wenn die Dimension an möglichen Antworten unbekannt oder zu groß für eine standardisierte Frage ist. Wollen Sie den Befragten auch einmal „zu Wort kommen“ lassen, dann ist der Einsatz von offenen Fragen legitim.

Donnerstag, 20 August 2015 14:09

Anweisungen im Fragebogen

Auch der beste Fragebogen kann kaum selbsterklärend sein, daher sind Anweisungen im Fragebogen für eine erfolgreiche Befragung notwendig. Grundsätzlich muss zwischen Hinweise für den Probanden bei einer schriftlichen Befragung, für den Interviewer bei einer mündlichen Befragung und für eine computergestützte Befragung, bei der Anweisungen zur Programmierung des Fragebogens förderlich sind, unterschieden werden.

Es ist für den Probanden für eine schnelle Erfassung der Aufgabe hilfreich, wenn er bei einer schriftlichen Befragung grundlegende Hinweise zum Ausfüllen des Fragebogens vorfindet. Bei Fragen mit nur einer Antwortmöglichkeit kann z.B. als Hinweis „Bitte wählen Sie nur eine Antwort aus“ stehen, oder bei Fragen mit Mehreren einfach nur „Mehrfachnennungen möglich“. Diese Hinweise sollten in der Regel kurz und klar formuliert sein, um in keinem Fall von der eigentlichen Fragestellung abzulenken. Ich persönlich empfehle daher, keine umfassenden Erklärungen beispielsweise zur Anwendung einer Skala aufzuführen, die sowieso sprachlich nur umständlich und zu umfangreich formuliert werden könnten. Natürlich ist es sinnvoll bei besonderen Anforderungen innerhalb des Fragebogens eine detaillierte Erläuterung der zu erwartenden Aufgabe zu geben, damit der Proband genau nach den Vorgaben des Forschers handeln und diese Fragen beantworten kann. Dann aber sollte diese im Optimalfall getrennt zu einer Frage, explizit zu Beginn des entsprechenden Frageteils aufgeführt werden.
Textliche Erklärung zur Skala in einer schriftlichen Befragung

Bei mündlichen Befragungen dienen Anweisungen im Fragebogen dem Interviewer zur präzisen und unmissverständlichen Durchführung der Befragung. Um eine Einflussnahme des Interviewers auf die Antworten des Probanden, einen „Interviewereffekt“ so niedrig wie möglich zu halten, und jede einzelne Befragung innerhalb einer Studie so standardisiert wie möglich ablaufen zu lassen, bedarf es häufig Regeln für den Interviewer. Fehlen ihm diese Hinweise, beginnt der Interviewer bei uneindeutigen Fragesituationen zumeist die Intention des Forschers zu interpretieren, und verliert ferner die für jede Studie notwendige Neutralität gegenüber dem Probanden. Beispielsweise sollte bei einer Antwortliste zu der Angabe „Andere“ als Interviewerhinweis stehen, „Nachfragen und wörtlich in das offene Feld notieren, was mit andere genau gemeint ist“. Auch Vorgaben zu den Antwortmöglichkeiten sollten aufgeführt werden, wie z.B. „nur eine Antwort pro Zeile erlaubt“, oder „nur den höchsten Schulabschluss angeben lassen“. Entsprechend den verschiedenen Fragentypen existiert eine Vielzahl an möglichen Befragungsfehlern durch den Interviewer, die unbedingt alle durch genaue Anweisungen im Fragebogen minimiert werden müssen. Die einzelnen Interviews verlieren anderenfalls ihren standardisierten Ablauf und die Studie wird folglich empirisch untauglich.

Hinweise zur Programmierung

Bei computergestützten Befragungen (online per Umfragesoftware oder telefonisch per CATI) werden die Interviewerhinweise durch Programmierhinweise ersetzt, um einen Befragungsablauf entsprechend der Intention des Forschers zu gewährleisten. Durch die zunehmende Komplexität dieser Umfragen empfehle ich genaue Anweisungen zum erlaubten Antwortverhalten pro Frage, ggf. zur gedachten Filterführung innerhalb des Fragebogens und zu den Restriktionen für den Probanden zu geben. Ferner sollten auch schriftliche Befragtenhinweise zum Ausfüllen des Fragebogens aufgeführt werden, weil bei einer Online-Umfrage der Proband den Fragebogen eben selbst an einem Computer ausfüllt.

Vorteilhafterweise kann eine Umfrage-Software nur eindeutig programmiert werden, so dass bereits mit der Programmierung festgelegt wird, ob bei einer Frage nur eine oder mehrerer Antworten erlaubt sind. Denn eine programmierte Frage mit nur einer Antwortmöglichkeit kann technisch niemals mehrere Angaben aufnehmen. Der Proband bei Online-Umfragen oder bei CATI-Umfragen wird durch die Technik zu einer standardisierten Befragungsform gezwungen. Automatische Fehlermeldungen des Systems weisen den Probanden oder Interviewer auf Abweichungen hin, und blockieren gleichzeitig auch den weiteren Verlauf der Umfrage. Es entsteht für den Befragten ein Beantwortungszwang nach der Vorgabe des Forschers.
Noch wichtiger sind detaillierte Programmieranweisungen bei komplexeren Befragungsabläufen, wie z.B. der Filterführung von Fragen. Es ist für diesen Fall sinnvoll die einzelnen Fragen und deren Antwortmöglichkeiten durchzunummerieren, um beispielsweise „Wenn bei Frage 1 Antwort gleich 3, dann Frage 2 auslassen und mit Frage 3 weitermachen“ als Anweisungen für einen Filter „auf Frage 1“ aufführen zu können. Diese Anweisungen für Filter werden häufig in „Wenn-Dann“ Bedingungen formuliert, die damit bereits einen mathematischen Charakter (z.B. per numerischer Operationen) für die Programmierung aufweisen. Umso klarer diese Anweisungen formuliert sind, desto besser werden diese von den Programmieren verstanden und auch richtig umgesetzt, die selten selbst Sozial- oder Marktforscher sind.
Hinweise zur Programmierung eines Fragebogens

Einsatz von Computern zur Befragung

Die technische Unterstützung durch Computer ermöglicht eine verbesserte Steuerung des Befragten durch den Fragebogen sowie eine automatische Plausibilitätskontrolle der Antwortangaben. Bei heute immer üblicheren komplexen Fragestellungen und -strukturen bedarf es sowohl einer Vielfalt als auch hohen Flexibilität in der Filterführung von Fragen im Rahmen des Fragebogens, die dem differenzierten Antwortverhalten der Probanden gerecht wird. Durch Online-Umfragen wird daher eine höhere Forschungseffizienz erzielt. Automatisch werden beispielsweise Filterführungen, Rotation von Fragen und Items, die Wiedergabe von offenen Antwortangaben u.a. ermöglicht, wodurch sich die Fehleranfälligkeit im Vergleich zu mündlichen Umfragen durch Interviewer sowie auch deren persönliche Einflussnahme maßgeblich reduziert.

Durch die vielfältigeren Kontrollmöglichkeiten der Antwortangaben auf Plausibilität gewinnen die Studien zudem an Datenqualität durch den Einsatz der Umfragensoftware. Zum Beispiel eine Zeitmessung zur Beantwortung von Fragen kontrolliert hinsichtlich Genauigkeit beim Lesen und Solidität bei Antwortangaben. Benötigt ein Proband nur wenige Sekunden für eine Frage, so hat er diese zumeist nicht richtig gelesen und kann gar nicht adäquat auf die Fragestellung geantwortet haben (ein sogenannter “Durchklicker”). Eine automatische Plausibilitätskontrolle während der Online-Umfrage kann ferner einem Fehlverhalten seitens des Befragten direkt entgegenwirken. Beim Online-Tests von Werbespots, Produkten u.a. muss die Konfrontation mit dem Testobjekt sichergestellt sein, so sollte eine Umfrage-Software eine Mindestverweildauer pro Frage oder Testobjekt gewährleisten, d.h. praxisbezogen ein kurzzeitiges Sperren des Fragebogens für die Betrachtung des Testobjekts.
Dagegen können vom Befragten direkt motivierte Täuschungsversuche häufig erst bei der Datenaufbereitung identifiziert werden, wo die Durchführung von umfassenden Plausibilitätskontrollen ebenfalls Standard sein sollte. Eine Varianzanalyse über das Antwortverhalten beispielsweise bei Fragen mit metrischen Skalen zeigt meist eindeutige Indizien, wenn die Antwortangaben eines Befragten bei einer sechsstufigen Skala mit Positiv und Negativ-Statements immer den gleichen Wert haben, also die Varianz gleich Null ist.

Donnerstag, 20 August 2015 14:06

Layout eines Fragebogens

Umfragen sollten den Befragten möglichst in eine interessante und konzentrierte Situation der Kommunikation versetzen. Die Gestaltung von Fragebögen muss dabei unterstützend auf die Befragungssituation wirken, aber keinen Einfuß auf das Antwortverhalten der Probanden nehmen. Es bedarf daher einer gut lesbaren, übersichtlichen und selbsterklärenden Aufbereitung von Fragen, ohne vom Wesentlichen (z.B. durch Bilder oder visuelle Effekte) abzulenken. Das Layout weist aber eher für schriftliche Befragungen eine entsprechend hohe Bedeutung auf, denn bei mündlichen Befragungen sieht der Proband den Fragebogen gar nicht erst, nur der Interviewer muss sich gut innerhalb des Fragebogens orientieren können.

Fragebögen sollten im Optimalfall auf den Probanden angenehm und sympathisch wirken, indem die Fragen und Antwortmöglichkeiten leicht zu erfassen sind. Dabei sollte eine wiederkehrende Gestaltungsstruktur definiert werden, indem zwar verschiedene Fragetypen unterschiedlich layoutet werden, dagegen gleiche Fragetypen auch das gleiche Aussehen aufweisen, das hilft den Probanden bei der Wahrnehmung von Fragen und deren Beantwortung. Während der Umfrage findet beim Probanden mit jeder Frage ein Lernprozess statt, wie der Fragebogen funktioniert, das über das Layout gesteuert werden kann. Verwirren Sie den Befragten daher nicht, mit immer wieder verschiedenen Designs innerhalb des Fragebogens, auch wenn der Fragebogen dadurch optisch langweilig wirkt.

Beispiel eines Fragebogens für Online Umfrage

Besonderheiten von Online-Fragebögen

Bei Online-Fragebögen muss bei der Gestaltung ferner auf die technische Ausstattung der Nutzer besondere Rücksicht genommen werden. Beispielsweise sollte von einer zu hohen festgesetzten Bildschirmgröße abgesehen werden, womit einzelne Nutzer mit einer geringeren Bildschirmauflösung die rechten Spalten bei Fragen nicht lesen bzw. anklicken könnten, das zur Verzerrung der Studienergebnisse führt. Ein Online-Fragebogen muss dem technisch kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechen, um keine Nutzer mit limitierter Computerausstattung auszuschließen.

Die heutige Praxis bei Online-Fragebögen mit einer Frage pro Bildschirmseite entspricht zwar der wichtigen Anforderung hinsichtlich Übersichtlichkeit und optimierter Wahrnehmung der Fragen, aber aus meiner Erfahrung führt dieses zwangsläufig nicht zur besseren Datenqualität. Es sollte eher auf die Minimierung von Ladenzeiten des Fragebogens geachtet werden, indem kürzere Fragen auf einzelnen Seiten zusammengefasst werden könnten. Das Scrollen auf einer Fragebogenseite sollte möglichst vermieden werden, aber nie auf Kosten von unsinnigen Ladeprozeduren durch eine übertrieben Anzahl an Seiten pro zusammengehörenden Fragen und Antwortangaben, die die Geduld des technisch “langsameren” Internetanwenders strapaziert.

Zur Motivation der Probanden eine Online-Umfrage auch zu beenden, empfehle ich nachdrücklich, den Frageumfang per Fortschrittsbalken anzuzeigen. Es sollte für den Probanden auf jeder Seite der Anteil an bisher ausgefüllten Fragen nachvollziehbar sein. Es darf nicht die Sorge beim Befragten aufkommen, das die Umfrage „kein Ende nimmt“, das würde eine erhöhte Anzahl an Abbrüchen während der Befragung provozieren.

Donnerstag, 20 August 2015 13:08

Filter und Rekrutierungsfragen im Fragebogen

Die ersten Fragen entscheiden häufig über die Teilnahmebereitschaft des Befragten an der Umfrage, speziell bei schriftlichen Befragungen ohne Interviewer. Daher kommt dem Befragungseinstieg eine besondere Bedeutung zu, die einen sensiblen Umgang mit dem Befragten erfordert. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Probanden eine Umfrage auch zu Ende führen, wenn sie die ersten Fragen beantwortet haben. Die Abbruchquoten bei schriftlichen Befragungen sind allgemein zu Beginn hoch und steigen erst wieder gegen Ende der Umfrage an, dagegen beenden bei mündlichen Interviews nur sehr wenige die Umfrage nach den ersten Fragen vorzeitig.

Die Eröffnungsfragen sollten auf die Intention des Befragten eingehen, also das Interesse zur Teilnahme auch bedienen. Die Fragen sollten somit einen inhaltlichen Bezug zum Thema der Umfrage aufweisen, und sollten eher konkret als allgemein formuliert sein, um eine persönliche Relevanz für den Befragten zu erzielen. Ferner sollten die ersten Fragen einfach sein, sowohl leicht durch die Befragten zu beantworten, als auch eindimensional formuliert und skaliert sein. Wählen Sie also kurze Fragen mit wenigen Antwortmöglichkeiten, um den Befragten einen leichten Einstieg zu ermöglichen.

Filter und Rekrutierungsfragen

Diesen Anforderungen folgend eignen sich Filterfragen oder Fragen zur Person als Befragungseinstieg nicht. Nun hat es sich aufgrund des Einsatzes von computergestützten Fragebögen ergeben, dass in der Praxis vermehrt sehr spezifische Personengruppen befragt werden sollen. Beispielsweise nur Kunden einer bestimmten Marke mit einer vorgegebenen Verteilung hinsichtlich verschiedener Personenmerkmale, um einen repräsentativen Kundenstamm zu befragen. Durch den Einsatz von Computern bei Telefon- und Online-Befragungen können nun einfacher sowohl komplizierte Filterstrukturen im Fragebogen eingesetzt als auch Quoten nach mehreren Personenmerkmalen für die Stichprobe erfüllt werden. Aus diesem Grund werden heute oft demographische Fragen sowie Besitz- und Nutzungsfragen als Rekrutierungsfragen, innerhalb eines so genannten „Screeners“ zu Beginn aufgeführt, die den Befragten aber langweilen und auch das Misstrauen wecken können, wenn sich z.B. direkt nach dem Einkommen erkundigt wird.
Filterfragen und Rekrutierungsfragen im Fragebogen

Für mich gilt hierbei die Grundregel, so wenig Rekrutierungsfragen wie möglich aufzunehmen, auch wenn andere nicht für die Selektion relevante Fragen inhaltlich dazu passen, sollten diese zwingend an eine spätere Stelle im Fragebogen gesetzt werden. Man sollte im sogenannten „Screener“ mit einfachen Fragen wie zum Geschlecht und Alter des Befragten innerhalb der Filterführung und Quotenbildung beginnen, und so spät wie möglich komplexere Fragen mit einer Vielzahl an Antwortmöglichkeiten folgen lassen. Aber meiner Meinung nach ist es noch wichtiger, die „schwierigsten“ Filter so früh wie möglich zu setzen, d.h. diejenigen Fragen, die vermutlich die meisten Befragten herausselektieren werden. Denn bei jedem Befragten entsteht eine Frustration, wenn sie sich motiviert hat, an einer Umfrage teilzunehmen, aber dann erkennen muss, dass die eigene Meinung gar nicht gefragt ist, und man nicht weiter an der Umfrage teilnehmen darf. Auch große Filtersprünge zu Beginn der Befragung hinterlassen beim Probanden den Eindruck, dass man selbst gar nicht die Zielperson für die Umfrage ist, und das demotiviert den Probanden, was negativen Einfluss auf das Antwortverhalten bzw. auf die Aufmerksamkeit gegenüber den weiteren Fragen hat. In jedem Fall sollte man lieber alle Filterfragen zur Quotenbildung und zur Selektion der Zielpersonen zu Beginn der Umfrage stellen, als der Fragensuzzession (Reihenfolge der Fragen entsprechend einer Dramaturgie im Fragebogen) zu folgen. Das ist eine Konzessionsentscheidung, aber immer noch besser als Befragte nach z.B. der Hälfte einer Umfrage diese plötzlich beenden zu lassen.

Donnerstag, 20 August 2015 12:34

Einleitung im Fragebogen

Eine Einleitung im Fragebogen sollte das Interesse des Befragten wecken, an der Umfrage teilzunehmen. Bei einer schriftlichen Befragung steht in der Regel vor den ersten Fragen sowohl ein Titel der Umfrage als auch eine textliche Einleitung, die dem Befragten grundsätzliche Informationen bietet, was ihn während der Umfrage erwartet. Es sollte hierbei auch das Vertrauen der Personen gewonnen werden, dass das die Umfrage durchführende Unternehmen seriös handelt, also durch die Umfrageteilnahme keine Verpflichtungen entstehen, und auch die Angaben nicht für Werbezwecke oder andere Marketingmaßnahmen genutzt werden, indem Informationen zu den angewandten Datenschutzrichtlinien aufgeführt werden, d.h. zur gewährten Anonymität der teilnehmenden Person und dessen Antwortangaben.

Datenschutz für die Befragten

In der Marktforschung herrschen strenge Regeln hinsichtlich des Datenschutzes, denen die Institute sich selbst gesetzlich verpflichtet haben. Diese gewährte und von Ihnen unbedingt einzuhaltende Anonymität der an der Umfrage teilnehmenden Personen weist für den Forscher den Vorteil auf, eine höhere Auskunftsfreudigkeit und Preisgabe persönlicher Meinungen zu erzielen. Speziell bei Online-Befragungen können durch die wahrgenommene höhere Anonymität gegenüber einem Computer anstatt z.B. einem Interviewer am Telefon, tiefer gehende Erkenntnisse durch die Online-Marktforschung ermöglicht werden.

Die schriftliche Einleitung sollte sich dabei nur auf das Wesentlichste beschränken, denn die potenziellen Teilnehmer wollen einen Überblick erhalten, aber nicht bereits zuviel an Texten lesen müssen. So sollten die Datenschutzrichtlinien zwar umfassend aufgeführt sein, aber am Besten mit einem Hinweis zum Anhang oder als Link zu einer separaten Seite.
Ansprache als Einleitung zum Fragebogen

Themenbezogene Selbstselektion

Aus der Sicht des Forschers ist aber allein schon die Nennung des Umfragethemas nicht unproblematisch. Diese soll zwar zur Teilnahme motivieren, aber sie impliziert auch eine themenbezogene Selbstselektion der Probanden, d.h. diejenigen mit keinem Interesse an dem Thema nehmen zumeist gar nicht an dieser Umfrage teil, und fehlen dem Forscher somit in der Stichprobe. Ein Beispiel, bei Befragungen zur Computernutzung musste ich immer wieder erkennen, dass eher unerfahrene Anwender allein das Thema bereits abschreckte, weil sie sich selbst nicht kompetent genug einschätzen und glaubten, die Fragen nicht richtig beantworten zu können. Generell ist die Sorge bei Befragten hoch, etwas während einer Umfrage falsch zu machen. Die Konsequenz war leider, dass überproportional viele erfahrene Computernutzer an diesen Umfragen teilnahmen, das die Studienergebnisse deutlich widerspiegelten. In der Praxis wird häufiger nur noch ein eher allgemeines Thema zu Beginn genannt. So weckt man weder falsche Erwartungen beim Befragten, noch gibt man zu viel über die Fragestellung und dessen Ablauf preis. Denn das Beantworten der einzelnen Fragen sollte so weit wie möglich spontan vom Probanden vorgenommen werden, damit er nicht vermehrt nach seinen Erwartungen gegenüber der Befragung antwortet, sondern zu dem tatsächlich Gefragten Stellung nimmt.

Bei mündlichen Befragungen wird die Hinführung des Befragten zur eigentlichen Umfrage durch einen Interviewer unterstützt. Das hat den Vorteil, dass die Einleitung nicht allein für sich sprechen, und somit entsprechend werbewirksam und überzeugend sein muss. Aber trotzdem muss die Person mit denselben Mitteln motiviert werden, an der Umfrage teilzunehmen. Ferner ist dem potenziellen Befragten zu erläutern, warum sie zu dieser Umfrage ausgewählt wurde, also zumeist kurz das Stichprobenverfahren ohne Fachterminus zu erklären.

Angaben zur Umfragedauer

Neben den nun allgemeinen Hinweisen zur Umfrage ist es heute empfehlenswert, auch die geschätzte Zeit für die Teilnahme anzugeben. Jene kann pro Person variieren, daher reicht als Angabe ein Schätzungswert aus. Sollten beispielsweise durch einen sogenannten „Pretest“ bereits Erfahrungswerte bezüglich der Dauer vorliegen, dann kann meiner Meinung nach der nach unten abgerundete Mittelwert aufgeführt werden. Natürlich schreckt die potenziellen Befragten eine höhere Befragungsdauer auch eher ab, denn selten wird gern eine halbe Stunde an Zeit für eine Umfrage geopfert. Seien Sie aber in diesem Fall nicht unehrlich, denn die Befragten merken eine hohe Diskrepanz zwischen der Angabe und der tatsächlichen Umfragedauer, und brechen entweder die Befragung ab, oder häufig reagieren sie erst im Nachhinein entsprechend verärgert, was negativen Einfluss auf Ihr Image als befragendes Unternehmen und sogar auf den Auftraggeber nimmt. Dagegen wird vom Befragten eine geringe zeitliche Differenz gar nicht wahrgenommen, d.h. wenn eine Umfrage einige Minuten länger als angegeben dauert, hat dieses selten negative Auswirkungen.

Donnerstag, 20 August 2015 12:22

Aufbau eines Fragebogens

Der Aufbau eines Fragebogens sollte immer einer Dramaturgie folgen. Die Fragen sollten nicht ungeordnet und beliebig aneinander gefügt werden, sondern in eine sinnvolle Reihenfolge gestellt werden. Denn diese Fragensuzzession nimmt nachweislich Einfluss auf die Datenqualität einer Befragung. Jeder Fragebogen sollte eine textliche Einleitung, einen Befragungseinstieg und/oder Filter- sowie Rekrutierungsfragen zur Identifikation und Selektion der Zielpersonen, einen Befragungshauptteil mit anschließenden demographischen Fragen zur Person, und als Letztes eine Danksagung an die Teilnehmer beinhalten.
Sinnvoller Aufbau eines Fragebogens

Eine Umfragestruktur in Themenblöcken von allgemeinen Verhaltens- und Einstellungsfragen zu vertiefenden Fragestellungen fördert die Auseinandersetzung beim Probanden. Die Logik des Befragungsablaufs sollte dabei für den Probanden nachvollziehbar sein, z.B. sollte der Befragte jeweils erkennen, wenn neue thematische Abschnitte beginnen, um sich entsprechend gedanklich neu einzustellen. Das erleichtert auch die Verständlichkeit der einzelnen Fragen, weil das thematische Umfeld einen inhaltlichen Bezug zur Frage herstellt. Dagegen würde ein permanenter Wechsel der Themen im Fragebogen eine erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration seitens des Probanden erfordern, so dass Fragen missverständlich aufgenommen und beantwortet werden könnten. Ferner nimmt der Befragte seiner Meinung nach ein gewisses Chaos im Fragebogen war, so dass er seine Bemühungen einer konzentrierten Situation zur Befragung aufgibt. Wenn Sie als Forscher nicht einer nachvollziehbaren Logik folgen, warum sollte der Befragte dann diese Mühe auf sich nehmen.

Nutzen Sie daher textliche Einleitungen als Übergänge zu neuen Themenblöcken, wie z.B. „Nun stellen wir Ihnen einige Fragen zum Thema …“. Bei schriftlichen Befragungen können auch Überschriften mit der Nennung des Themas zu Beginn eines neuen Blocks diese Aufgabe übernehmen.
Für die Aktivierung der potenziellen Befragten zu einer Umfrageteilnahme ist speziell der Befragungseinstieg inklusive der textlichen Einleitung und den ersten Fragen von großer Bedeutung. Schaffen Sie für die Person zu Beginn der Umfrage eine vertrauliche Kommunikationssituation, die dessen Interesse an der Umfrage weckt, und ihm einen Nutzen verspricht. Gestalten Sie den Einstieg spannend.

Demographische Fragen, wie z.B. zum Alter, zur Bildung oder zum Familienstand, gehören an das Ende einer Befragung, weil diese Fragen persönlicher Natur sind, und daher eher ungern beantwortet werden. Ferner sind diese Fragen für den Teilnehmenden nicht interessant, so dass die Motivation für die Teilnahme verloren gehen könnte, und somit ein Befragungsabbruch droht. Am Ende des Fragebogens sinkt zudem auch der Widerwille diese persönlichen Fragen zu beantworten, weil der Proband wahrnimmt, dass dies nur noch die abschließenden Fragen sind. Der Proband will die Umfrage nicht umsonst beantwortet haben, nur weil er sich nun zum Schluss verweigert und die Umfrage unvollständig lässt. Mit diesem Prinzip kann man als Forscher auch die Beantwortung von kritischen Fragen bewirken, so dass noch persönlichere Fragen, wie z.B. zu Krankheiten oder zum Sexualleben, grundsätzlich am Ende eines Fragebogens gestellt werden sollten.
Während einer mündlichen Befragung entsteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Befragten und Interviewer, das eine Antwort auf intime Fragen erleichtert. Bei schriftlichen Befragungen „schützt“ den Probanden die von ihm wahrgenommene Anonymität, das sowohl die Antwort während des Ausfüllens kein anderer sieht, als auch online nur ein Computer auf der anderen Seite im Internet ist.

Die Zusammenstellung und Verteilung der einzelnen Themenblöcke ergibt sich häufig fast automatisch durch die Forschungsfrage und -ziele der Umfrage. Man wird konkrete Fragen beispielsweise zur Bewertung einer speziellen Webseite erst nach allgemeinen Fragen zur Internetnutzung stellen können, denn es muss festgestellt werden, ob die konkrete Webseite überhaupt bekannt ist und auch genutzt wird. Es ergibt sich also aus der Natur der Logik, dass man zumeist von allgemeinen zu konkreten Fragen wechselt. In jedem Fall sollten die wichtigsten Fragen aus Sicht des Forschers nicht zu spät im Fragebogen aufgeführt werden. Gegen Ende kann bereits eine Ermüdung des Befragten eingetreten sein, so dass komplexe Fragestellungen schwieriger aufgenommen und beantwortet werden können.

Optimale Länge eines Fragebogens

Meiner Erfahrung nach existiert eine Aufmerksamkeits- und Konzentrationskurve bei den Befragten, die einer „normalverteilten Kurve“ entspricht, d.h. diese steigt zu Beginn der Umfrage an, weist ihren Höhepunkt ungefähr zur Mitte der Umfrage auf, und fällt dann gegen Ende stetig ab. Dieses Phänomen ist natürlich auch von der Länge der Umfrage abhängig, denn ein einstündiges Interview ermüdet den Befragten selbstverständlich früher als eine zehnminütige Umfrage. Eine sehr häufig von meinen Auftraggebern gestellte Frage ist, was eine optimale oder auch maximale Frageanzahl für eine Umfrage wäre, was im Endeffekt auf die mögliche Befragungsdauer in Minuten abzielt. Aus meiner Erfahrung empfiehlt sich in der Regel ein Fragebogen mit nicht mehr als 20 kalkulatorische Fragen zu entwickeln, um keine erhöhte Anzahl an Abbrüchen unter den Teilnehmern zu provozieren. Ich selbst habe ich aber auch längere Umfragen entwickelt, weil ich sonst dem Forschungsziel nicht gerecht geworden wäre. In diesem Fall muss einem als Forscher nur bewusst sein, dass die Datenqualität bei den hinteren Fragen im Fragebogen leiden kann, also die Fragen nicht mehr genau gelesen werden, Fragen missverständlich verstanden werden und deren Beantwortung vom Probanden oberflächlicher vorgenommen wird. Aus diesem Grund lasse ich solche längeren Umfragen für den Teilnehmenden eher „entspannt“ ausklingen, d.h. mit einfacheren Fragen, eindimensionaleren Antwortkategorien und für das Forschungsziel weniger wichtige Fragen.