Donnerstag, 20 August 2015 14:18

Skalentypen

Zu jeder Frage gehören natürlich auch die dazugehörigen Antwortmöglichkeiten, die man als Skala bezeichnet, weil mit deren Beantwortung der Prozess des Messens stattfindet. Bei der Entwicklung von Skalen existieren sozialwissenschaftliche Standards (siehe Schnell, Hill & Esser 2011 basierend auf Stevens 1946), womit verschiedene Skalenniveaus definiert worden sind, die als standardisiertes Instrument zur Datenerhebung per Fragebogen dienen. Diese Skalenniveaus werden unterschieden nach Nominal-, Ordinal-, Intervall- und Ratioskala.

Bei einer Nominalskala wird jede Antwortmöglichkeit genau einem sich gegenseitig ausschließenden Skalenpunkt zugeordnet, so dass der Proband keine überschneidenden Antworten vorfinden darf, sondern die Items (Antwortmöglichkeit als Ausprägung der Skala) unabhängig von einander bestehen, also entweder das eine oder das andere zutrifft, wie z.B. bei der Frage zum Geschlecht des Befragten.
Die einfachste Nominalskala ist eine dichotome, mit den beiden Antwortmöglichkeiten „Ja“ oder „Nein“, aber Nominalskalen können natürlich auch mehrere Ausprägungen aufweisen. Inhaltlich werden die meisten Wissen-, Verhaltens- oder Nutzungsfragen als Nominalskala umgesetzt. Beispielsweise eine Frage zum Besitz von Produkten im Haushalt mündet in eine lange Liste mit von einander unabhängigen Produkten, die der Befragte nur entweder besitzen kann oder nicht. Aber auch viele Fragen zu den Eigenschaften der Befragten (z.B. soziodemographische Merkmale) können nur als Nominalskala operationalisiert werden, weil beispielsweise bei der Frage zum Familienstand sich deren möglichen Antworten wahrhaftig untereinander ausschließen.

Bei einer Ordinalskala müssen die Antworten sich ebenfalls wie zuvor gegenseitig ausschließen und unabhängig voneinander sein, aber diesmal unterliegen die Antwortmöglichkeiten einer Rangordnung, d.h. die Ausprägungen stehen in einer relationalen, ranggeordneten Beziehung zueinander. Zum Beispiel eine Bewertungsskala per Schulnoten impliziert eine Rangordnung, indem ein „sehr gut (1)“ eine bessere Schulnote als ein „gut (2)“ darstellt, aber eine Schulnote „gut (2)“ nicht doppelt so gut wie ein „ausreichend (4)“ ist. Inhaltlich werden häufig Fragen nach den Überzeugungen oder Wertorientierungen der Befragten als Ordinalskala realisiert, weil eine Rangordnung dabei stärker das Maß an Überzeugungen oder Werten beim Probanden zum Ausdruck bringen kann.
Nominalskala und Ordinalskala

Metrische Skalen

Eine Intervallskala muss zusätzlich das Kriterium erfüllen, dass die Abstände zwischen den Skalenpunkten genau gleich sind. In der Praxis existieren aber nur sehr wenige Situationen, wo sich eine Intervallskala zur Messung einer lebensnahen Situation einsetzen lassen würde. Für eine Vielzahl von Auswertungsverfahren ist aber deren Einsatz eine Grundvoraussetzung für tiefer gehende Analysen, denn als Forscher ist es sehr lehrreich beispielsweise etwas als doppelt so wertvoll oder effektvoll bezeichnen zu können. Aus diesem Grund sollte man häufig bereits bei der Fragebogenentwicklung entsprechende Fragen mit Intervallskalen als Antworten entwickeln. Es hat sich etabliert, nur Ziffern als Skalenpunkte vorzugeben, so dass der Befragte beispielsweise zwischen den Zahlen von 1 bis 6 wählen soll. Es müssen dann nur die Endpunkte definiert werden, indem z.B. die 1 für „überhaupt nicht“ und die 6 für „voll und ganz“ steht, und der Proband entsprechend seiner Meinung dazwischen abstufen kann. Das ist natürlich eine künstlich produzierte Intervallskala, indem dem Befragten mittels Zahlen suggeriert werden soll, das die Abstände zwischen diesen Skalenpunkten gleich sind. Leider interpretiert nicht jeder Proband dieses gleichermaßen so, aber ich empfehle diese Technik trotzdem, weil bisher leider keine bessere Alternative entwickelt worden ist.
Intervallskala

Eine Ratioskala (oder auch Verhältnisskala genannt) ist eine Intervallskala mit einem natürlichen Nullpunkt, also der tatsächlichen Abwesenheit des zu messenden Merkmals. Zum Beispiel ist das Längenmaß eine typische Ratioskala, indem die Körpergröße in Zentimeter gemessen wird, aber wenn der Messwert „Null“ erreicht, das Objekt gar nicht da bzw. nicht existent ist. In der Praxis können Ratioskalen beispielsweise für die Erfassung von Angaben hinsichtlich des Einkommens, der Anzahl an Kindern im Haushalt oder auch für Nutzungszeiten eingesetzt werden, wo eine Antwort „Null“ jeweils deren Abwesenheit oder auch „Nicht-Existenz“ bedeutet, also kein Einkommen, keine Kinder im Haushalt oder keine Nutzung durch den Befragten. Inhaltlich werden diese beiden metrischen Skalen häufig für Fragen nach Einstellungen oder Meinungen von Befragten verwandt.
Ratioskala

Erst metrische Skalen ermöglichen die Erfassung einer differenzierten Meinung oder Einstellung des Befragten. Die Skala ermöglicht dabei eine Varianz an Antworten bezüglich der eigenen Position des Probanden zu bestimmten vorgegeben Themen, also geht weit über eine dichotome Skala mit Ja-Nein Optionen hinaus, denn sie misst sogar die Intensität beispielsweise an Zustimmung oder Ablehnung zu einer Frage. Für den Forscher bietet sich mit diesen variierenden Antworten ein differenzierteres Ergebnis bezüglich der Fragestellung.

Donnerstag, 20 August 2015 14:06

Layout eines Fragebogens

Umfragen sollten den Befragten möglichst in eine interessante und konzentrierte Situation der Kommunikation versetzen. Die Gestaltung von Fragebögen muss dabei unterstützend auf die Befragungssituation wirken, aber keinen Einfuß auf das Antwortverhalten der Probanden nehmen. Es bedarf daher einer gut lesbaren, übersichtlichen und selbsterklärenden Aufbereitung von Fragen, ohne vom Wesentlichen (z.B. durch Bilder oder visuelle Effekte) abzulenken. Das Layout weist aber eher für schriftliche Befragungen eine entsprechend hohe Bedeutung auf, denn bei mündlichen Befragungen sieht der Proband den Fragebogen gar nicht erst, nur der Interviewer muss sich gut innerhalb des Fragebogens orientieren können.

Fragebögen sollten im Optimalfall auf den Probanden angenehm und sympathisch wirken, indem die Fragen und Antwortmöglichkeiten leicht zu erfassen sind. Dabei sollte eine wiederkehrende Gestaltungsstruktur definiert werden, indem zwar verschiedene Fragetypen unterschiedlich layoutet werden, dagegen gleiche Fragetypen auch das gleiche Aussehen aufweisen, das hilft den Probanden bei der Wahrnehmung von Fragen und deren Beantwortung. Während der Umfrage findet beim Probanden mit jeder Frage ein Lernprozess statt, wie der Fragebogen funktioniert, das über das Layout gesteuert werden kann. Verwirren Sie den Befragten daher nicht, mit immer wieder verschiedenen Designs innerhalb des Fragebogens, auch wenn der Fragebogen dadurch optisch langweilig wirkt.

Beispiel eines Fragebogens für Online Umfrage

Besonderheiten von Online-Fragebögen

Bei Online-Fragebögen muss bei der Gestaltung ferner auf die technische Ausstattung der Nutzer besondere Rücksicht genommen werden. Beispielsweise sollte von einer zu hohen festgesetzten Bildschirmgröße abgesehen werden, womit einzelne Nutzer mit einer geringeren Bildschirmauflösung die rechten Spalten bei Fragen nicht lesen bzw. anklicken könnten, das zur Verzerrung der Studienergebnisse führt. Ein Online-Fragebogen muss dem technisch kleinsten gemeinsamen Nenner entsprechen, um keine Nutzer mit limitierter Computerausstattung auszuschließen.

Die heutige Praxis bei Online-Fragebögen mit einer Frage pro Bildschirmseite entspricht zwar der wichtigen Anforderung hinsichtlich Übersichtlichkeit und optimierter Wahrnehmung der Fragen, aber aus meiner Erfahrung führt dieses zwangsläufig nicht zur besseren Datenqualität. Es sollte eher auf die Minimierung von Ladenzeiten des Fragebogens geachtet werden, indem kürzere Fragen auf einzelnen Seiten zusammengefasst werden könnten. Das Scrollen auf einer Fragebogenseite sollte möglichst vermieden werden, aber nie auf Kosten von unsinnigen Ladeprozeduren durch eine übertrieben Anzahl an Seiten pro zusammengehörenden Fragen und Antwortangaben, die die Geduld des technisch “langsameren” Internetanwenders strapaziert.

Zur Motivation der Probanden eine Online-Umfrage auch zu beenden, empfehle ich nachdrücklich, den Frageumfang per Fortschrittsbalken anzuzeigen. Es sollte für den Probanden auf jeder Seite der Anteil an bisher ausgefüllten Fragen nachvollziehbar sein. Es darf nicht die Sorge beim Befragten aufkommen, das die Umfrage „kein Ende nimmt“, das würde eine erhöhte Anzahl an Abbrüchen während der Befragung provozieren.